Die Jahreslosungen

Die Jahreslosung 2004

Jesus Christus spricht: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." Markus 13,31

Jesus Christus spricht: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

Markus 13,31

Ist es nicht komisch, dass wir Menschen immer alles gern auf Dauer angelegt haben?
Wir bauen Häuser, die uns überdauern sollen und werden. Wir bauen auf menschliche Beziehungen, die auf Dauer ausgerichtet sind, auf die Dauer des Lebens eines der Ehepartner etwa. Wir planen gern und gehen davon aus, dass unsere Planungen und unser Einsatz dafür zum Erfolg führen.
Wir haben es gern, wenn wir uns auf Menschen verlassen können, weil Reden und Handeln absehbar sind.
Überraschungen sind zwar manchmal ganz nett, aber eigentlich nicht sonderlich erwünscht. Lieber weiß man, was man hat und bekommt, und um welchen Preis es einem anheim fällt. Vorwärts und aufwärts, kein Verweilen oder gar Rückschritt, so muss es sein.
Diese eigentümliche menschliche Sehnsucht wird durch den Schatz unserer Erfahrung absolut nicht abgedeckt. Im Gegenteil: Unsere Erfahrungen mit dieser Welt und den Menschen darauf zeigen das genaue Gegenteil. Auf nichts ist Verlass, aber wirklich auf gar nichts. Derjenige, der das Haus baut, kann morgen tot sein. Die Ehe, deren Himmel eben noch voller Geigen hing, ist nach kurzer Zeit ein Fall für den Scheidungsrichter. Das sicher angelegte Geld, das sich in steil nach oben zeigender Gewinnkurve vermehren sollte, hat die Turbulenzen der Börse wenn überhaupt, dann nur stark vermindert überstanden.
Offensichtlich ist es so, dass wohl alle Menschen gegen den Augenschein glauben, Ewigkeit zu haben, gefeit zu sein gegen die zwangsläufigen Widrigkeiten des normalen Lebens, die man bei den anderen beobachtet - "aber mir wird es nicht so gehen".
Welche Überheblichkeit!
Da gibt es eine Sehnsucht nach etwas, das Sinn schafft - und vielleicht meint man, alles wird gut, wenn man nur hinter das System dieses Sinns kommt. Also sucht man. Manche tauchen tief in sich selbst hinab, wenige finden dort etwas, was über sie selbst hinaus weist, die meisten aber finden dort nicht viel mehr als Leere. Manche suchen ihr Heil bei den Heilsbringern dieser Welt - die Palette reicht da vom Sportverein über das Bankkonto bis zur Wahrsagerin. Und wer will den Menschen das verdenken? Den Ärmsten, die immer noch glauben, auf das, was sie vor Augen haben, sei Verlass?

Wir in der Kirche sind auch auf diesem Markt der Sinn-findung. Allerdings etwas anders: Wir wissen, dass unsere Antworten vorläufig sind. Wir wissen, dass Änderungen überraschend eintreten können und werden - aber: Wir halten die Sehnsucht wach und wissen: Wir können sie letztlich nicht erfüllen. Mit unseren Gebeten, Predigten und Kirchengebäuden, mit unserer Musik und den Texten der Bibel halten wir die Sehnsucht des Menschen nach Gottes Ewigkeit wach, die hier und da durch unser Tun und Denken und Reden und Beten hindurch blitzt.
Der Charme unseres Glaubens besteht auch darin, dass wir wissen und verkünden: Gott zeigt sich nicht zuletzt im Ungeplanten, in dem, was einfach geschieht, in dem, was wir verstehen, aber auch in dem, was wir nicht verstehen. Gelegentlich denken wir, dass unsere Sehnsucht erfüllt ist, und stellen dann doch fest, wie uns unsere Lebensplanung sandgleich durch die Finger rinnt. Gut, wenn wir dann nicht aufgeben und uns an unsere Sehnsucht erinnern. An den Gott, von dem uns erzählt ist, und von dem wir wissen, dass er kommt.

Unser Bild zeigt eine Blüte, die überraschend aus einem anscheinend völlig toten Stück Holz erwächst, sich aus kühl blauer Umgebung in die orange Wärme reckt - und so beide Zonen, die des Sterbens und die des Auflebens, miteinander verbindet.
Das ist es, was wir wirklich wissen: Leben ist immer für Überraschungen gut, für Wunder, die sich quer zu unserer Erfahrung stellen. Alles ist endlich und vergänglich, auch die Ausweglosigkeit. Nur die Unbeständigkeit ist beständig - und das muss einem in Ewigkeit gesagt werden, uns, wie es unseren Vorläufern und Vorläuferinnen im Glauben gesagt wurde, und wie es denen gesagt werden soll, die nach uns kommen: Wir leben in der überraschenden Vorläufigkeit - das Nicht-vergehen kommt noch. Gott sei Dank. Wir sind frei! Frei für das neue Jahr mit allem, was es bringt an erfüllten und unerfüllten Wüschen - weil unsere Sehnsucht wach bleibt und in Gott mündet.

Motiv: Kichenfenster, "Wurzel Jesse" von Walter Habdank
Text: Albrecht Simon

Gerne stellen wir Ihnen unsere Jahreslosungsmotive für Ihre Kirchengemeinde zur Verfügung: Download Jahreslosungen

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